1975 bis 2010

1994

Eine kurze Bürgermeisterschaft

Klaus Helfmeier wurde von der BG ins Amt gehoben und gestürzt

Gut zwanzig Jahre nach dem Tod des legendären Jakob Koenen wurde mit dem Cappeler Klaus Helfmeier am Montag, 7. November 1994, wieder ein Sozialdemokrat zum Bürgermeister von Lippstadt gewählt. Dies war zugleich die letzte Berufung eines Stadtoberhauptes, das seine Aufgabe noch im Ehrenamt ausübte. Schon knapp drei Jahre später war die Amtszeit des damaligen hauptamtlichen Geschäftsführers der Arbeiterwohlfahrt (AWO) als erster Repräsentant der Stadt Lippstadt mit der Aufkündigung der „gestalterischen Mehrheit“ durch die Bürgergemeinschaft (BG) beendet. Für den letzten Bürgermeister im Nebenamt, Klaus Helfmeier, zog nach der Aufgabe der kommunalen Doppelspitze mit Wolfgang Schwade (CDU) zum 1. August 1997 wieder ein Bürgermeister im Hauptamt ins Lippstädter Stadthaus am Ostwall ein.

Überraschung

Die Wahl des langjährigen Cappeler Ortsvorstehers zum ersten Lippstädter Bürger war 1994 eine Überraschung. Die SPD hatte beim Urnengang für den Stadtrat am 16. Oktober, der gemeinsam mit der Bundestagswahl stattfand, einen Sitz verloren, während die CDU einen hinzugewann. Mit den drei BG-Mitgliedern gab es im Rathaus eine neue Gruppe, die sich mit den Grünen (vier Mandate) und den Sozialdemokraten (20 Sitze) zur „gestalterischen Mehrheit“ vereinigte. Diese Verbindung hatte Klaus Helfmeier auf den Schild gehoben, der sich in geheimer Abstimmung mit 27 Voten gegen den seit 1984 amtierenden Bürgermeister Franz Klocke (der nur auf die 24 Stimmen aus der CDU-Fraktion kam) glatt durchsetzte.

Spannung

„Der Patriot“ berichtete über das Ereignis im großen Versammlungssaal der Sparkasse in seiner Ausgabe am Dienstag, 8. November 1994, unter anderem: „Die Spannung um diese Bürgermeisterwahl war riesengroß, auch wenn das Ergebnis angesichts der klaren Aussagen von SPD, Grünen und BG schon vorher klar schien. Vielleicht nach dem Motto „man weiß ja nie . . .“ oder mit der Absicht, den Machtwechsel live miterleben zu wollen, drängten sich viele neugierige Bürger in Saal und Flur. Was sie dann erlebten, verlief ohne jede Hektik, ohne sichtbare Emotionen, rein sachlich, formal, eben so, wie die Gemeindeordnung es vorgibt.“ Die Übernahme des Ratsvorsitzes durch einen SPD-Politiker war für die von ihren absoluten Mehrheiten von 1975 bis 1989 verwöhnte Union ein herber Schlag. Dies wurde noch in der konstituierenden Ratssitzung durch das Entrollen eines Transparentes (Bürgerwille: Klocke muss Bürgermeister bleiben) zweier ihrer Anhänger (von denen einer inzwischen mit einem Ratssitz „belohnt“ wurde) deutlich.

Wahlkampf 1994.SPD-Kinderfest in der Juchaczstraße. Von links nach rechts Friedhelm Arnoldt (Benninghausen), Margret Schulte Steinberg, Klaus Helfmeier, und der 2009 verstorbene Hans Alers.