1975 bis 2010

1990

Das Jahr der deutschen Einheit

Landtagswahlen im Mai 1990 und Bundestagswahlen im Dezember 1990

Das herausragende Ereignis des Jahres 1990 war der Vollzug der deutschen Einheit. Was mit dem Mauerfall vom 9. November 1989 begann, sollte im Jahr 1990 eine vorher kaum vorstellbare Eigendynamik entwickeln. Mit den Feierlichkeiten vor dem Berliner Reichstag war am 3. Oktober 1990 die Epoche der Nachkriegszeit mit der alliierten Besatzung von 1945 und der Bildung von zwei deutschen Staaten in Ost und West von 1949 beendet. Vor diesem Hintergrund fanden am Sonntag, 13. Mai 1990, in Nordrhein-Westfalen die Landtagswahlen mit der Bestätigung des Ministerpräsidenten Johannes Rau (SPD) und des heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Brülle sowie am Sonntag, 2. Dezember 1990, die erste Bundestagswahl nach der Vereinigung statt.

Land und Bund

Während in Düsseldorf die SPD-Alleinregierung im Amt blieb und Lippstadt erneut mit einem Sozialdemokraten im Landtag vertreten war, hatte die SPD bei den ersten gesamtdeutschen Wahlen nach 1945 keine Chance. Somit zog auch ihre Reserveliste in Nordrhein-Westfalen nur bedingt und ihr Bewerber im Kreis Soest, Klaus-Theo Rohe, kam nicht in den Bundestag. Die rasche Einführung der Deutschen Mark zwischen Elbe und Oder zum 1. Juli 1990, die konsequente Nutzung der Möglichkeiten nach dem DDR-Untergang und dem Ostblock-Zerfall durch die Regierung in Bonn hatten Union (43,8 Prozent) und FDP (11 Punkte) eine klare Mehrheit beschert. Die SPD musste sich mit 33,5 Prozent begnügen.

Attentate und Sicherheit

Überschattet war das Wahljahr 1990 von den abscheulichen Attentaten auf den SPD-Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine im April 1990 in Köln und den Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble aus der CDU im Oktober 1990 in Oppenau in Baden-Württemberg. Insbesondere der Angriff auf den Sozialdemokraten hatte Auswirkungen auf den Wahlkampf in Lippstadt. Zwei Tage nach der Attacke von Köln kam am Freitag, 27. April 1990, mit dem damaligen Doppelvorsitzenden der SPD-Bundespartei und der SPD-Fraktion im Bundestag, Hans-Jochen Vogel, zur Unterstützung der SPD an die Lippe. Die Veranstaltung mit der gut besuchten Kundgebung vor dem Rathaus war von einem Sicherheitsaufwand gekennzeichnet, der weder zuvor noch später bei Auftritten von SPD-Prominenz in Lippstadt registriert wurde. Doch der Gast aus Bonn ließ sich davon nicht beirren und suchte das direkte Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern auf dem Rathausplatz.

Bad in der Menge.Trotz erhöhter Sicherheit ließ es sich Hans-Jochen Vogel (rechts) im April 1990 nicht nehmen, mit den Lippstädtern auf dem Rathausplatz in einen unmittelbaren Kontakt zu treten.

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