Landtagswahl in 2022 im Blick

Bremen am Dienstag, 28. Mai 1991: Zum SPD-Bundestreffen an der Weser waren von der Lippe (von links) Hans Zaremba, Bernhard Scholl, Anita und Karl-Heinz Brülle gekommen.
Archiv-Fotos (2): Sammlung Hans Zaremba

Maßstäbe

Nach nur zwei Jahren musste Björn Engholm den Vorsitz der Sozialdemokraten wieder aufgegeben. Die Spätfolgen der Vorfälle aus dem Jahr 1987, bei denen der Sozialdemokrat durch übliche Machenschaften des politischen Gegners ausgeforscht wurde und vernichtet werden sollte, veranlassten ihn, sich gänzlich aus der Tagespolitik zurückzuziehen. Es waren die von ihm gesetzten eigenen Maßstäbe, die ihn nach einer Falschaussage vor dem Untersuchungsausschuss im Landtag von Schleswig-Holstein am Montag, 3. Mai 1993, zum plötzlichen Rücktritt von allen Ämtern (Ministerpräsident in Kiel, Parteivorsitz und Kanzlerkandidat der SPD) zwangen. Nach dem Schleswig-Holsteiner folgte der Rheinland-Pfälzer Rudolf Scharping als SPD-Vorsitzender, der im Juni 1993 mit einer Befragung der Genossinnen und Genossen für das höchste Parteiamt der SPD in den damals noch rund 11.000 Ortsvereinen auf den Chefsessel der ältesten deutschen Partei gehoben wurde.

Parteileben

Auf dem Bremer SPD-Parteitag in 1991 war der Lippstädter SPD-Ortsverein erstmals bei einer Ausstellung „Lebendiger Ortsverein“ im Rahmen der bundesweiten Präsentation des örtlichen Parteilebens vertreten. Anita BrülleKarl-Heinz Brülle, Bernhard Scholl  und Hans Zaremba boten die Lippstädter Anstrengungen nach der Wende in der DDR beim Aufbau einer demokratischen Struktur im sächsischen Oschatz dar. Dazu hatten sie Veröffentlichungen aus der Lokalpresse und einen Videofilm mitgebracht, mit denen sie über die Treffen der Oschatzer Sozis mit der SPD an der Lippe und ihren Einsatz nach dem Mauerfall im Landstrich zwischen Leipzig und Riesa schilderten. In einem Wegweiser, der als Begleiter für die Dokumentation aus Lippstadt in der Bremer Stadthalle auslag, forderten die Lippstädter Sozis aufgrund ihrer Erfahrungen aus den Kontakten in der Umgebung von Oschatz ein verstärktes Engagement ihrer Bundespartei für die SPD-Gliederungen in den neuen Bundesländern. Auch 30 Jahre später verfügt die SPD in Sachsen immer noch nicht über eine ausreichende Organisation, was auch ihre Wahlresultate im Freistaat und speziell in Oschatz – wo im Mai 2021 von 26 Stadträten nur zwei der SPD angehören – offenbaren.

Hans Zaremba