Ein Ort mit bewegter Vergangenheit

Gewerkschaftler und Sozialdemokraten in der Thomas-Valentin-Bücherei

Mit der Thomas-Valentin-Stadtbücherei hatten sich die Senioren der Dienstleistungsgewerkschaft “Ver.di” auch in 2011 für ihren Jahresabschluss erneut einen Ort mit bewegter Vergangenheit ausgesucht. Für den Rundgang konnten die Gewerkschaftler mit dem Stadtführer Wolfgang Schulte Steinberg und der Bibliotheksleiterin Ulrike Weyrich zwei profunde Begleiter gewinnen, die ihnen die abwechslungsreiche Geschichte und jetzige Funktion des Bauwerks in der Stadtmitte anschaulich erklärten. Unter der stattlichen Gruppe der Gewerkschaftler waren mit dem SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Hans Zaremba auch etliche Sozialemokraten vertreten.

Gelungener Umzug der Bibliothek in die ehemalige Marienschule:Ulrike Weyrich (rechts) stellte die Ver.di-Senioren die von ihr geleitete Thomas-Valentin-Bücherei vor. Links im Bild die Vorsitzende der gewerkschaftlichen Besucher, Margret Schulte Steinberg.

Vom Provisorium zum jetzigen Standort

Lange war die städtische Bücherei lediglich in beengten Provisorien untergebracht. Dank der Städtebauförderung und eines Masterplanes war es möglich, bei Einhaltung des Denkmalsschutzes das Stadtbild prägende Backsteingebäude der Alten Marienschule in der Fleischhauerstraße zu erhalten und für die Thomas-Valentin-Stadtbücherei umzubauen. Damit konnte auch in Lippstadt für die Stadtbibliothek ein für ihre Aufgaben passendes und zentral gelegenes Domizil geschaffen werden. Die schon seit vielen Jahren in der Leihbücherei an der Lippe tätige Diplombibliothekarin Ulrike Weyrich vermittelte ihren gewerkschaftlichen Gästen mit viel Begeisterung einen gründlichen Blick in die Tagesabläufe der von ihr geleiteten Einrichtung. Er reichte vom behindertengerechten Zugang, der von der Spielplatzstraße über den einstigen Schulhof erreichbar ist, über den Anlaufpunkt mit der automatisierten Ausleitheke (“Herzstück unseres Hauses”) und dem breiten Medienangebot (Bücher und Tonträger) für alle Generationen bis zu besonderen Zielgruppenangeboten. Der Standortwechsel von der Spielplatzstraße, wo die Bücherei vor ihrem letzten Umzug im unterdessen entfernten ehemaligen Sparkassengebäude zu finden war, habe sich vollends bewährt. “Dies belegte schon nach kurzer Zeit eine erste Analyse der Besucherzahlen.”

Von der Geschichte bis zur Kunst

Wolfgang Schulte Steinberg oblag es, die ereignisreiche Historie des um 1896 im Stadtzentrum als höhere katholische Töchterschule erstellten Komplexes zu beleuchten. Dazu gehörten auch die verschiedenen Bauschnitte und abwechselnden Nutzungen (Mädchengymnasium, Aufbaurealschule, Volkshochschule und Musikschule) des geschichtsträchtigem Hauses. Einen besonderen Aspekt legte der Hobbyhistoriker auf die Kapelle im Obergeschoss mit ihren ausdrucksvollen Wandmalereien, “die durch das konsequente Engagement des Lippstädter Heimatbundes erhalten werden konnten”. Unter vielen Lagen von Farbe sei bei der Restaurierung einiges von der ursprünglichen farblichen Fassung im früheren Betraum wieder in Erscheinung getreten. Die freigelegten Wandmalereien stammten weitgehend vom Wiedenbrücker Maler Georg Goldkuhle. Auch die ehemalige Chorsituation sei noch zu erkennen, stellte der frühere Ratsherr in seinen aufschlussreichen Bemerkungen heraus. Zudem nahm er eine Betrachtung des ebenfalls wiederentdeckten Stifterbildes mit den Mädchen und Ordensfrauen auf der zurückliegenden Westwand vor. Derweil werde die Kapelle für etliche Vorträge und Galerien verwendet. Eine der an dieser Stelle dargebotenen Ausstellungen war im April die zum 90jährigen Jubiläum des Lippstädter SPD-Ortsvereins errichtete Präsentation “Uneins – aber einig?” der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Verhältnis von Gewerkschaften und Sozialdemokraten. Erwähnt wurde von Ulrike Weyrich und Wolfgang Schulte Steinberg auch die im Kleinod in der Stadtmitte angebrachte “Barocke Saaldecke”, die nach ihrem Fund in der Hellen Halle ihren Platz in der Stadtbücherei bekommen habe.